75 Jahre Cornelius-Preis
1948 erhielt Artur Erdle den Cornelius-Preis der Stadt Düsseldorf. Zum 75. Jahrestag erinnern wir an die Auszeichnung und seinen Neubeginn nach dem Krieg.
Artur Erdles Auszeichnung mit dem Cornelius-Preis jährt sich 2023 zum 75. Mal. Für uns ist das ein besonderer Anlass, sein Lebenswerk zu würdigen und an seinen schwierigen Neubeginn nach dem Krieg zu erinnern.
Die Stadt Düsseldorf hatte den Preis für Malerei und Bildhauerei 1936 gestiftet. Namensgeber war Peter von Cornelius, der erste Direktor der 1819 wiedergegründeten Düsseldorfer Kunstakademie. Die ersten Preisträger waren der Landschaftsmaler Julius Bretz und der Bildhauer Hans Breker. Bretz hatte 1909 den Sonderbund Westdeutscher Kunstfreunde und Künstler mitgegründet.
, vergrößert ansehenNach dem Ende des Nationalsozialismus wurde der Preis 1947 wieder ausgeschrieben und 1948 erstmals nach dem Krieg verliehen. Im Zuge der Entnazifizierung kappte die Stadt dabei auch den Verleihungstag: In der Zeit des Nationalsozialismus war der Preis jährlich am 26. Mai vergeben worden, einem Datum mit NS-Symbolcharakter. Von der Neuauflage an fiel die Verleihung dauerhaft auf den 14. August, den Tag der Düsseldorfer Stadtgründung.
Artur Erdle war der erste Preisträger dieser Neuauflage. Ausgezeichnet wurden 1948 insgesamt vier Künstler, zwei Maler und zwei Bildhauer: Die Fülle außergewöhnlicher Einreichungen hatte die Jury veranlasst, in beiden Kategorien je zwei Preise zu vergeben.
Der Auszeichnung waren Jahre schwerer Verluste vorausgegangen. 1937 beschlagnahmten die Nationalsozialisten 15 seiner Arbeiten aus öffentlichen Sammlungen im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst“. Im Juni 1943 zerstörte ein Luftangriff auf Düsseldorf sein Haus und sein Atelier. Rund 80 Gemälde und etwa 2.000 Aquarelle und Zeichnungen fielen den Flammen zum Opfer. Ein großer Teil seines bis dahin geschaffenen Lebenswerks war damit unwiederbringlich verloren. Auch seine Wandbilder für die GeSoLei im damaligen Planetarium, der heutigen Tonhalle, gingen im Krieg verloren.
Rund 80 Gemälde und etwa 2.000 Aquarelle und Zeichnungen fielen den Flammen zum Opfer.
Nach der Zerstörung seines Hauses zog Erdle nach Robertville im heutigen Belgien. Dort lebte auch der Maler Peter Janssen, der 1952 den Cornelius-Preis erhielt. Nach dem Krieg kehrte Erdle nach Düsseldorf zurück. Trotz der schweren Verluste fand er die Kraft, neu zu beginnen, und schuf ein neues Werk.
Bereits am 22. Dezember 1945 stellte Erdle in der Düsseldorfer Galerie Hella Nebelung aus. Nur wenige Monate nach Kriegsende fanden seine Arbeiten damit wieder ein Publikum. Die Verleihung des Cornelius-Preises 1948 war eine bedeutende Anerkennung in diesen Jahren des Wiederaufbaus.
1949 wurde kein Preis verliehen. Das Jahr der Bundesrepublik-Gründung brachte tiefgreifende bürokratische und politische Umbrüche in der Stadtverwaltung, und die Vergabekriterien wurden neu ausgerichtet. 1950 ging der Preis wieder an je einen Maler und einen Bildhauer.
Der Cornelius-Preis wurde bis 1967 vergeben. Zu den späteren Preisträgern gehörten Karl Schmidt-Rottluff (1955) und Otto Dix (1959). Bei der letzten Verleihung erhielt Otto Coester, Professor für freie Grafik an der Düsseldorfer Kunstakademie, den Preis für Malerei.
Dass Artur Erdle zu diesem Kreis gehörte, erfüllt uns im Erdle Museum auch 75 Jahre später mit Stolz.
