Artur Erdle
Revolutionär und Konservativer

- Geboren
- 24. Mai 1889, Köln
- Gestorben
- 1. Januar 1961, Düsseldorf
- Ausbildung
- Kunstschule Westenburger (Köln), Königliche Kunstakademie Düsseldorf
- Mitgliedschaften
- Das Junge Rheinland, Rheingruppe, Rheinische Sezession, Malkasten Düsseldorf, Deutscher Künstlerbund
- Auszeichnungen
- Cornelius-Preis (1948), Albrecht-Dürer-Preis (1929)
Steckbrief
- Geboren
- 24. Mai 1889, Köln
- Gestorben
- 1. Januar 1961, Düsseldorf
- Ausbildung
- Kunstschule Westenburger (Köln), Königliche Kunstakademie Düsseldorf
- Mitgliedschaften
- Das Junge Rheinland, Rheingruppe, Rheinische Sezession, Malkasten Düsseldorf, Deutscher Künstlerbund
- Auszeichnungen
- Cornelius-Preis (1948), Albrecht-Dürer-Preis (1929)
Geboren am 24. Mai 1889 in Köln, gestorben am 1. Januar 1961 in Düsseldorf, gehörte Artur Erdle zu den führenden Künstlerpersönlichkeiten des Rheinlandes – künstlerisch gewissermaßen „erblich belastet“: Der Vater betrieb in Köln ein Stuck- und Baudekorationsgeschäft, in dem sich der junge Artur bereits modellierend betätigte. Sehr bald aber dominierte die leidenschaftliche Liebe zur Malerei. 1911–1912 besuchte er die Kunstschule Westenburger in Köln und ging 1912 an die Königliche Kunstakademie Düsseldorf, wo Willy Spatz, Carl Ederer und Adolf Maennchen zu seinen Lehrern zählten. Das Studium wurde durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen; seit 1918 war er als freischaffender Künstler in Düsseldorf tätig. Er gehörte damals zu jenen jungen Künstlern, die gegen die traditionelle Akademie-Malerei revoltierten, und zählte 1919 zu den Gründungsmitgliedern der Düsseldorfer Künstlervereinigung „Das Junge Rheinland“ – gemeinsam mit Adler, Dix, Pankok und Wollheim. Als ihm die Gruppe in ihrer Entwicklung zu laut, zu rebellierend und zu groß geworden erschien, gründete er 1923 mit Adler, Champion, Kaufmann und Ophey die nur aus zwölf Künstlern bestehende „Rheingruppe“. Und wieder gehörte er zu den Gründern, als sich beide Gruppen 1928 gegen die in dieser Zeit noch immer mächtige traditionelle Malerei zur „Rheinischen Sezession“ zusammenschlossen. Dies lässt sich als „Revolte“ gegen eine erstarrende Repräsentations- und Salonkunst verstehen – seine eigenen Arbeiten allerdings blieben leise, duftig und von Melancholie erfüllt. In Düsseldorf gehörte er zudem zum Kreis um die Galeristin Johanna Ey und war später Mitglied im Deutschen Künstlerbund.
Auf der großen deutschen Kunstausstellung 1928 erhielt er den Großen Preis der Banken Düsseldorf, 1929 folgte der Albrecht-Dürer-Preis der Stadt Nürnberg. Durch die Kunstpolitik des Dritten Reiches wurden 1937 im Zuge der „Kunstsäuberungen“ 15 seiner Arbeiten aus öffentlichem Besitz beschlagnahmt, sieben davon gelten als zerstört. Noch schwerer traf ihn der Zweite Weltkrieg: Die Bombennacht vom Juni 1943 vernichtete sein Lebenswerk – bis auf wenige Ausnahmen fielen seine gesamten Arbeiten, insgesamt 80 Gemälde und rund 2.000 Aquarelle und Zeichnungen, den Flammen zum Opfer, ebenso Haus und Atelier in Düsseldorf. Auch die Wandbilder, die er als Mitglied der Rheingruppe für die GeSoLei im damaligen Planetarium – der jetzigen Tonhalle – schuf, gingen verloren. Erdle zog sich daraufhin ins belgische Robertville zurück, wo er bis 1945 lebte.
Doch ungebrochen begann Artur Erdle ein neues Werk: Bereits am 22. Dezember 1945 gehörte er zu den Künstlern, die in den Kriegsruinen an der Hofgartenstraße die Galerie Hella Nebelung mitbegründeten – eine der ersten Adressen für zeitgenössische Kunst im Nachkriegs-Düsseldorf. 1946 zählte er zu den Wiedergründern der 1938 verbotenen Rheinischen Sezession, in deren Vorstand er bis 1957 tätig war. 1947 beteiligte er sich mit großem Erfolg an der ersten deutschen Kunstausstellung im Ausland nach dem Kriege in Bern, und 1948 erhielt er als Erster den neu verliehenen Cornelius-Preis der Stadt Düsseldorf. Außer bei der Rheinischen Sezession war Artur Erdle Mitglied des Malkastens in Düsseldorf und der „Neuen Gruppe“ in München. Er beteiligte sich an Ausstellungen in Paris, Amsterdam, Den Haag, Rom, Florenz, Wien, Bern, Straßburg, Maastricht, Arnheim, Brüssel und Venedig sowie an vielen bedeutenden Ausstellungen des Inlandes.
Als nach dem Zweiten Weltkrieg die während der braunen Diktatur geschmähte Kunst der zwanziger Jahre ihre Anerkennung erfuhr und zugleich rasch von neuen Strömungen überholt wurde, blieb Artur Erdle seiner künstlerischen Sprache treu. Der Avantgardist von einst gestaltete ein reifes Spätwerk und bewies damit, dass Kunst nicht mit dem Jahrgang stirbt, sondern darüber hinaus lebendig bleibt, wenn sie qualitätsvoll ist.
Artur Erdle hat für sein Werk vielfältige Auszeichnungen erhalten. Die zurückhaltende, vornehme, pastellige Farbigkeit, seine duftig-lockere Pinselhandschrift und der heitere, musikalische Grundcharakter seiner Bilder kennzeichnen sein Schaffen.
Stets versuchte er, Landschaften, Menschen, Blumen und Tieren jene Innerlichkeit zu geben, die Teil seines eigenen Wesens war. Im reichdifferenzierten, blühenden Kolorit, dem verschwebenden Zauber des Atmosphärischen deutlich französischer Peinture rheinischer Prägung verpflichtet, steht ihre Poesie romantischer Empfindung nahe. Das trennt Erdle von den Impressionisten, deren Kunst die vollkommenste Realisierung des europäischen Illusionismus war. Seine Farben sind nicht naturalistisch, sie streben nach symbolischer Ausdruckskraft.
Karl Ruhrberg, Städtische Kunsthalle Düsseldorf (Hrsg.), „Artur Erdle – 1889 bis 1961“, Ausstellungskatalog 1970, S. 3